Geschichte

Georges Hébert – Gründer von Méthode Naturelle

Als Entwickler der Méthode Naturelle gilt Georges Hébert (* 27. April 1875 in Paris; † 2. August 1957 in Tourgéville), ein französischer Marine-Offizier.

Sein Vater war ein Pariser, vom Beruf Buchhändler, die Mutter aus Burgund. Georges Hébert ging ab seinem siebten Lebensjahr eine Internatsschule, bis zu seinem Eintritt in die Marineschule im Jahre 1893.

Zwei Jahre später wird Hébert Marine-Offizier. Auf seinen Reisen um die Welt – Süd- und Nordamerika,  Antillen – bewundert er natürliche Völker um ihre starken, schönen Körper und ihre mannhaften Qualitäten.

Der Vulkan Mont Pelée1902, als er in der kleinen Stadt St. Pierre auf Martinique stationiert war,  organisierte er die Flucht vor einem Vulkanausbruch – der 26.000 Menschen das Leben kostete – und konnte 700 Menschen retten. Dieses Ereignis spielte eine wichtige Rolle in der Entwicklung des Hébertisme, denn es bestärkte seine Idee, dass es überaus wichtig ist, athletische Fähigkeiten mit Hilfsbereitschaft, Selbstlosigkeit und Tapferkeit zu vereinbaren. Dies spiegelt sich auch in einer Devise der Méthode Naturelle wider: „Être fort pour être utile“ („Sei stark um nützlich zu sein“).

Unter Einfluss seiner Erfahrungen und Eindrücke, entwickelt Hébert einen Plan für die Reform des Sportunterrichts bei der Marine auf und definiert die Grundstatuten der Méthode Naturelle. Er bittet um Versetzung an die Marinefüsilierschule in Lorient,wo er 1905 mit der Leitung des Exerzierunterrichts beauftragt wird.

1907 erscheint das erste Werk von Hébert: „L’Éducation physique raisonnée, was so viel wie „Die vernünftige Leibeserziehung“ bedeutet. Es folgen seine wichtigsten Werke „Guide pratique d’éducation physique“ („Die praktische Anleitung zur Leibeserziehung“), 1910,   und „L’Éducation physique ou l’entraînement complet par la méthode naturelle“  („Die Leibeserziehung oder das vollständige Training durch die natürliche Methode“), 1912, in denen Hébert seine Methode ausführlich beschreibt.

In diesen Jahren stellt Hébert seine natürliche Methode der Öffentlichkeit vor: 1909 in Caen in Anwesenheit des Präsidenten der Republik; 1913 in Paris beim internationalen Kongress der Leibeserziehung. Bei der letzten tritt Hébert mit 350 seinen Schülern auf: 100 Kindern im Alter  9 – 14 aus der Marinezöglingsanstalt, 150 Jugendliche im Alter 14 – 17 aus der Schiffsjugendschule, und 100 Rekruten im Alter 17 – 21 aus der Fusilierschule, und verbucht einen großen Erfolg und zahlreiche Athleten schreiben sich bei ihm ein. Außerdem kann Hébert den Baron de Polignac als seinen Sponsor für sich gewinnnen, auf dessem Gut in Riems Frankreich erstes Trainingszentrum für Leibeserziehung erbaut wird, 1913, mit Hébert als Direktor. Dort arbeitet er zusammen mit Demeny, schafft Frauenabteilungen, bildet Trainer und Lehrer aus. Im ersten Weltkrig wird das Zentrum leider zerstört.

Während des ersten Weltkrieges wird Hébert mit der Sportausbildung der 4. und später auch anderen Armeen beauftragt. Die natürliche Methode wird in der Armee sabotiert. Nach dem Ende des Krieges sammelt Hébert seine alten Trainer von Reims und gründet ein gymnastisches Kolleg für Frauen und Kinder, erst in Deauville, dann in „Le Var à la Londe des Maures“.

Während dieser Zeit führt Georges Hébert ins Militärtraining eine Innovation ein – das Kriechen und Fortbewegung auf allen Vieren, auch genannt Quadrupedie. Aus seinen Beobachtungen wurde eine große Anzahl von französischen Soldaten im ersten Weltkrieg getötet oder verletzt, nur weil sie nicht in der Lage waren, schnell zum Boden zu gehen, Versteck aufzusuchen, oder mit minimaler Sichtbarkeit zu kriechen.

Vom Jahr 1922 bis zu seinem Tod leitet Hébert die Zeitschrift „L’Éducation Physique“ (Die Leibeserziehung). Es erscheinen viele weitere seiner Werke.

Obwohl die Meinung, dass Hébert nur von den Ureinwohnern seine Inspiration geholt hat, sehr verbreitet ist, hat er bei der Entwicklung der Méthode Naturelle auch mehrere bereits bekannte Disziplinen wie antike griechische Gymnastik integriert und auch die Lehre von anderen Forschern miteinbezogen, wie zum Beispiel diese von Amoros und Demeny. 1

Die Bewegungsfamilien in Methode Naturelle – Klettern, Springen, Laufen, Springen etc.,  sind nichts neues. Im Laufe der Menschheitsgeschichte wurden all diese im körperlichen Training bereits erfunden und erprobt. Der Verdienst von Georges Hebert liegt in der Erfindung einer effizienten Trainingsmethode, also der Art diese Disziplinen  anzuwenden und zu kombinieren um schnell und effizient körperliche Perfektion zu erreichen. Er hat erfunden, wie er selbst behauptet, „eine bessere Art zu trainieren“.

Entwicklung Weltweit

Bereits in den ersten Jahren wurde die Methode an tausenden Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen erprobt. Die Méthode Naturelle wurde zum Standard-Training für die französische Marine und Feuerwehr.

Auch für die Beteiligung der Frauen am Sport hat Georges Hébert sich stark eingesetzt.

Weibliches Schönheitsideal: links – zeitgenossisch, rechts – nach Georges Hébert

Sein Buch über Leibeserziehung der Frauen in 1919  über natürliche weibliche Schönheit und körperliche Entwicklung, inspiriert von Vorbildern der Antike und Naturvölker, war für seine Zeit revolutionär. MN wird an Mädchenschulen eingeführt, in Zentren trainieren Jungs und Mädchen, weibliche Trainierinnen – Monitrisse – werden ausgebildet.

Für seine Leistungen wurde Georges Hérbert 1955 mit einem Verdienstorden von Kommandeur der Ehrenlegion ausgezeichnet. Mit 1957 erkrankte er und starb an Lähmung, hat aber während der Krankheit viele Menschen mit seinem Willen noch mal Gehen, Sprechen und Schreiben zu lernen beeindruckt.

Héberts Lehre beeinflüsst die Systemen der Leibeserziehung weltweit : Spanien, Portugal, Argentinien, Tschechoslowakei.

Der Einzug von MN in Belgien fand im Vergleich zu anderen europäischen Ländern relativ spät statt, jedoch erfolgte progressiver als anderswo. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Hébertism nach und nach auch in Belgien popularisiert, und hat angefangen sich durch bis dahin etablierte schwedische Gymnastik durchzusetzten. Zuerst eingeführt in der Provinz Hennegau  an Schulen und Universitäten unter Anleitung von G. Dejean, breitet sich MN aus, auf Schulen, in der Militär, in der Arbeits- und Pfadfinder Bewegung. 1930 wird das erste Zentrum in Charleroi eröffnet und drei Jahre später funktionieren in Belgien bereits über 20 kostenfreie Zentren.

1937 wird Hébertism in dem französischsprachigen Katholischen Pfadfinderverband eingeführt.
Méthode Naturelle lebt auch während des zweiten Weltkrieges weiter hat sich weiter verbreitet während des zweiten Weltkrieges in einem Gefangenenlager für Offiziere in Deutschland, wo zwei ihre Anhänger, Camille Tasse und Marcel Beugnier, die Methode in die Belgische Armee etabliert haben.

Nach dem Krieg gründet Marcel Beugnier die bis heute existente FBEPMN –  Fédération Belge d’Éducation Physique par la Méthode Naturelle, die 1953 offiziell vom Ministerium für Gesundheit anerkannt wird. Camille Tasse wird zum Direktor des Instituts der Militär für Leibeserziehung. MN hält festen Einzug in die belgische Militärausbildung. Woraufhin die rechte Hand von Georges Hébert, Kommandant Stefani,  schreibt: „Wann werden wir in Frankreich die gleiche ernsthafte Arbeit wie in der belgischen Armee sehen?

1951 wird Georges Hébert nach Belgien eingeladen, wo er sich persönlich von der Arbeit des Kommissars für Gesundheit und Körpererziehung der Pfandfinder von Belgien, des  Instituts der Militär für Leibeserziehung (verantwortlich für die Ausbildung von Offizieren) und des Elite-Kommandoregiments überzeugen kann und das richtige Verständnis der Methode befürwortet.

Während seines Arbeitsaufenthalts in der Lombardei, bietet Jean Hendrickx, Kommissar der Belgischen Seepfadfindern, MN Trainings für die lokalen Scouts. 1952 findet der erste Hébert Camp auf dem Comer See statt. So statet MN seinen Einzug in die Italienische Pfadfinderbewegung. In Mailand, Vicenza, Turin und Rom werden MN Zentren eröffnet. Seit 1970 veranstaltete AGESCI (die wichtigste Pfadfinder Organisation Italiens) jeden Sommer einen Héberstism camp für Jungs und Mädchen aus ganz Italien.  every summer, the “sett

In den 60ern und 70ern Jahren gerät MN in Vergessenheit.

 

Moderne Zeiten

(2004 wurde der Name der Föderation abgekürzt zu Fédération Belge d’Hébertisme. Heute tritt die Föderation unter dem Namen Sport’nat® auf.)

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fand die Méthode Naturelle durch verschiedene Variationen von Trimm-Dich-Pfaden und Hérbertisme Parks Verbreitung. Zu Jahrtausendwende war die Disziplin abgesehen von ein paar Föderationen und Vereine in Frankreich und Belgien fast in Vergessenheit geraten. Jedoch dank neuem Trend zum Outdoor Fitness wurde sie wieder bekannt.

Nicht zuletzt wurde durch die von David Belle und anderen entwickelte Kunst der Fortbewegung – Parkour – Méthode Naturelle in der modernen Zeit bekannt. Denn fast alles was in Parkour zu finden ist wurde von Méthode Naturelle direkt oder modifiziert übernommen.

Quellen:

Renson, R. La diffusion de la Méthode naturelle en Belgique (2014). Le Collège d’athlètes de Reims. ÉPURE.

Philippe-Meden, Pierre. Georges Hébert (1875-1957). A naturalist’s invention of body ecology. Body ecology and emersive leisure. Routledge, 2018

1. “Die Methode von Amoros wäre im Grunde nützlich und bemerkenswert ihrem Ziel angepaßt: Männer herauszubilden, die kräftig, energisch udn fähig sind, sich utner allen Umständen zu bewähren, vor allem auch im Krieg. Amoros wendet sich mehr an die Erwachsenen und an das Militär.
Er ist der wahre Entdecker des Trainings, d. h. der methodischen Arbeit im Hinblick auf das Ziel, im wahrsten Sinne des Wortes starke Wesen zu schaffen. Zum Werk Amoros und dessen oft zu ungestümen und ungenügend bemessenen Anwendung hat Demeny die Idee vom Maßstab beigetragen, von methodischer Entwicklung und Aufbau in der Anstrengung.
Er hat die Übungen den Schwachen nähergebracht, indem er die ästetischen und hygienischen Anwendungsbedingungen der Arbeit klarstellte und die Wirkungen der Übungen auf den Organismus analysierte. Er hat die Suche nach den Charakteristiken der natürlichen Bewegung aufgenommen… Wir haben das Bewusstsein, das Werk dieser beiden Erzieher weiterzuführen und dem Weg zu folgen, den sie gebahnt haben. Die großen Leitgedanken sind dieselben, ein gemeinsames Band verbindet sie“.
Hébert, Georges: L’Éducation physique virile et morale par la méthode naturelle, Band I, 6. Auflage, Paris 1936, S. XIX (Eigene Übersetzung)