Geschichte

Als Gründer von Méthode Naturelle gilt Georges Hébert (1875 – 1957), ein französischer Marine-Offizier.

Georges Hebert wurde 1875 in der Familie eines Buchhändlers geboren. Von Kindheit an hatte Hebert  Zugang zu kolonialen Literatur über Abenteuer und Reisen, die ihn faszinierte und schlussendlich die Wahl seiner Karriere beeinflusste. Im Alter von 18 Jahren trat Hebert eine Marineschule bei.

Inspirationen

In der Marine umsegelt Hebert ein Jahrzehnt die Meere von Süd- und Nordamerika sowie die Antillen. Seine erste Inspirationen verdankt Hebert den Schiffen mit Mastwerk und Segeln, auf denen er anfangs unterwegs war. Hier bewunderte Hebert die letzten Mastwächter, athletisch und widerstandsfähig. Starke und elegante Kohlenträgerinnen auf Martinique inspirierten Hebert’s späteres Engagement für die Leibeserziehung der Frauen.

Während seinen Aufenthalten in den Häfen von den USA erhielt Hebert Einblicke in das Training von Sportstudenten an University of Pennsylvania und  Bodybuildern in modernen Attila’s Athletic Studio und School of Physical Culture am Broadway in New York.

Hebert wurde Zeuge des Spanisch-Amerikanischen Krieges von 1898 und mehrerer Unabhängigkeitskriegen in Kuba, Uruguay und Kolumbien.  Partisanen und Guerillas beeindrückten Hebert mit ihren Widerstandskraft und Mut, Leistung und Eleganz. Ihre Überlegenheit gegenüber Truppen und Athleten, die auf europäische oder amerikanische Weise trainiert wurden, überzeugte Hebert von der Notwendigkeit einer Reform des westlichen Sportunterrichts.

 

Rettungseinsatz nach Vulkanausbruch

1902, als Hebert im Hafen vor der Stadt St. Pierre auf der Insel Martinique stationiert war,  kam es zu einer gewaltigen Explosion vom Vulkan Mt. Pelée. Über 30.000 Menschen kamen binnen Minuten ums Leben. Hebert und seine Männer sorgten an Bord der „D’Estrées“ für die Rettung von 700 Menschen.

Diese Tragödie berührte Hebert zutiefst und wurde zum Meilenstein in der Entwicklung von Methode Naturelle. Sie bestärkte Heberts Idee, athletische Fähigkeiten mit Hilfsbereitschaft, Selbstlosigkeit und Tapferkeit zu verbinden. Das Motto „Sei stark, um nützlich zu sein!“ wird geboren.

Von der Katastrophe gezeichnet und unter Einfluss seiner früheren Eindrücke, entwickelt Hebert Ideen für die Reform des Sportunterrichts bei der Marine. Er bittet den Marinestab um die Versetzung an die Marinefüsilierschule in Lorient.

Marineschule in Lorient und Heberts Reformen

1904, zurück in Frankreich, wird Hebert mit der Gesamtleitung der sportlichen Ausbildung von 1000 Mann in der Marineschule von Lorient beauftragt. Hebert fügt in das noch vom Preußischen Drill dominierte Programm Langstreckenlaufen, Wrestling, Rudern, Transport von Verwundeten und Retten von Ertrinkenden. Ab 1906 veröffentlicht Hebert monatlich mehrere Beiträge über die Doktrin seiner Methode und ihre Übungspalette in der renommierten Fachzeitschrift „L‘Éducation Physique„. Ein Jahr später erscheint sein erstes Buch „L’Éducation physique raisonnée“ („Die vernünftige Leibeserziehung“), welches noch starken Einfluss von der schwedischen Gymnastik aufweist, da es dem Hébert noch schwer fiel, sich sofort vom Einfluss der großen Institution zu lösen.

Sportlicher Test

Die wichtigste Neuerung von Hebert war der sportliche Test mit einer Bewertungsskala für zwölf sportliche Leistungen:  100, 500 und 1500 Meter Lauf, Weit- und Hochsprung mit und ohne Anlauf, Seilklettern, Steinstoßen und Gewichtheben, 100 Schwimmen und Tauchen auf Zeit. Der Test evaluierte körperliche Leistung und Trainingsfortschritt der Probanden in Kraft, Ausdauer, Geschicklichkeit und unterschied sich grundlegend von zu der Zeit üblichen physiologischen Bewertungsmodellen, die Körperteile und Muskeln ausmaßen.

Heberts Methode in der französischen Marine 

Im Jahr 1909 veröffentlicht Hebert eine Broschüre mit dem Titel „L’Éducation virile et les devoirs physiques de l’officier combattant“ (Die mannhafte Erziehung und die körperlichen Pflichten des kämpfenden Offiziers), die in allen Marineeinheiten verteilt wurde. Hebert wird zu Häfen und Geschwadern schickt, um vor Ort die für Leibesübungen zuständigen Offizieren zu unterrichten. Mit einem offiziellem Beschluss wird Leutenant Hebert im Mai 1909 mit Leitung der Körpererziehung in der französischen Marine beauftragt.

Zeiten des Triumphs

Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg wird zur Verbreitungsepoche von Methode Naturelle.

Hébert stellt seine Methode in öffentlichen Vorführungen vor: 1909 in den Gärten des Riesenrads in Paris und 1911 in Caen in Anwesenheit des Präsidenten. Bei der letzteren bekommt Hebert das Ritterkreuz der Ehrenlegion verliehen und seine Methode wird für das Training von französischen Kolonialtruppen übernommen. Reporter besuchen die Schule in Lorient und berichten über Methode Naturelle.

Hebert veröffentlicht drei Werke, die vielmals aufgelegt werden und auch in andere Sprachen, unter anderem Spanisch und Russisch, übersetzt:


1910 Guide pratique d’éducation physique (Praktischer Leitfaden zum Sportunterricht)
1911 Le code de la force (Der Kodex der Kraft)
1912 L’éducation physique ou l’entraînement complet par la méthode naturelle (Leibeserziehung oder vollständiges Training nach der natürlichen Methode).

Im März 1913 vertritt Hebert mit seinen Schülern die französische Marine beim internationalen Kongress der Leibeserziehung in Paris. Er tritt mit 100 Kindern im Alter  9 – 14, 150 Jugendlichen im Alter 14 – 17 und 100 Rekruten im Alter 17 – 21 aus Marineschulen auf. Heberts Vorführung ist voller Leben und Energie. Seine Zöglinge kämpfen, klettern Seile nur aus Armkraft und reiben einander mit Eiswasser ein, und verzaubern die Zuschauer mit ihrer gebräunten Haut und straffen Muskeln. Als sie die Marseillaise singen, jubelt das Publikum und ruft Heberts Namen. Politiker und Journalisten eilen zu Hebert und wollen mit ihm sprechen.

Collège d’athlétes de Reims

Bei den Olympischen Spielen in Stockholm 1912 gehen 65 Medaillen an Schweden, 41 an das Vereinigte Königreich, 25 an Deutschland, während Frankreich nur 14 Medaillen gewinnt. Ein anderes Konzept für den französischen Sportunterricht war unabdingbar. Im März 1913 unterschreibt eine Handvoll Wissenschaftler, Ärzte, Künstler und Sportler ein Manifest zu Gründung von Collège d’Athlétes de Reims. Eine weltweit einmalige Einrichtung zur Ausbildung von Sportlehrern und olympischen Athleten soll entstehen. Als technischer Direktor des Colleges wird Hebert berufen.

Marquise de Polignac, der Erbe des Pommery Champagner-Imperiums und Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees, wird zum Sponsor und lässt das College auf seinem Gut im Parc Pommery errichten. Es enstehen ein Stadium, ein Freibad mit Sprungturm und eine helle Halle, 40 Meter lang und 20 Meter breit, wo von der hohen Decke lange Seile zum Klettern herunterhängen.

Im College trainiert Hebert Spitzensportler. Seiner Zeit voraus baut der olympischer Sieger im Langstreckenläufer Jean Bounin systematisch in sein Training Beweglichkeit- und Kraftübungen nach Methode Naturelle ein: Klettern, Steine stoßen, Schleppen von Baumstämmen.

Im Oktober 1913 wurde das College vom französischen Präsidenten feierlich eingeweiht.  Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Pierre de Coubertin, war ebenfalls anwesend. 1914 eröffnet Hebert ein physiologisches Labor beim College und lädt als Direktor Georges Demeny ein, den Wissenschaftler und Physiologen und den führenden Vertreter der französischen Sportschule. Das College wird zum Mekka der Leibeserziehung in Frankreich.

Viel wichtiger als das Athletentraining ist für Hebert die Arbeit mit Kindern und Ausbildung von Sportlehrern. Mädchengruppen, Boyscouts und Kinder aus einem Hospiz trainieren im College.

Bald führen alle Schulen der Stadt Reims für ihre 10 000 Schüler Methode Naturelle im Sportunterricht ein. Hebert bildet für die Stadt 50 Schulsportlehrer und 15 Lehrerinnen aus. Kinder sind über die Ablösung der langweiligen Gymnastik begeistert. Anstatt starren Arm- und Beinbewegungen dürfen sie in den Gärten laufen, Seile klettern und wie Frösche springen. Dank Hebert wird Sportunterricht zu beliebtesten Stunde. Der bahnbrechender Versuch wird jedoch vom Ersten Weltkrieg unterbrochen.

Erster Weltkrieg. Quadrupedie und Hindernisbahn

Mit beginn des Krieges kehrte Hebert im August 1914 zurück zu Marine. Bereits im November wurde an der Spitze seiner Kompanie bei Dixmude schwer verletzt. Nach seiner Genesung wird er mit der Sportausbildung der 4. Armee und später allen Armeen beauftragt.  Lange Mahnwachen und langes Stehen in den Gräben haben Soldaten steif und träge gemacht. Hebert lässt sie laufen und klettern, boxen und spielen und steigert so die Energie und den Kampfgeist der Armeen.

In dieser Zeit führt Hébert als Erster Quadrupedie in die militärische Trainingslehre ein, das Kriechen und Fortbewegung auf allen Vieren. Das stehende Kämpfen war bis dahin ein Beweis der Tapferkeit  und diente dem Umgang mit Waffen.  Hebert beobachtete, wie eine große Anzahl von französischen Soldaten im ersten Weltkrieg starb oder verletzt wurde nur weil sie nicht in der Lage waren, schnell zum Boden zu gehen, einen Versteck aufzusuchen, oder mit minimaler Sichtbarkeit zu kriechen. Laut Hebert ist Quadrupedie auch praktisch um steile Hänge zu besteigen oder sich unter Dickicht fortzubewegen.

Mit der Entwicklung von der Hindernisparcours begann Hebert in der Marineschule von Lorient. Die Einrichtungen am Übungsplatz, deren Konzeption auf Amoros zurückging, wurden von Hebert innovativ als Hindernisbahn eingesetzt. In Folgejahren experimentierte Hebert und entwickelt diese weiter, bis er schließlich 1916  die Hindernisparcours formalisiert (parcours du combattant, parcours d’obstacle), die weltweit von Armeen übernommen wurde und auch heute wenig von den ersten von Hebert entwickelten abweicht. Auf der Hindernisbahn, die aus Balken und Mauern, Leitern und Seilen besteht, wird sowohl die allgemeine Fitness der Soldaten getestet, als auch ihre Mut, Wille und Entschlossenheit gestärkt. 

Nachkriegszeit

Nach dem Kriegsende 1919 geht Hebert als Veteran in den Ruhestand. Die Angebote vom Kriegsminister, für das Kriegsministerium zu arbeiten oder die Militärschule in Joinville zu leiten, lehnt er ab. Hebert glaubt, eine Methode für die Leibeserziehung nicht nur  Soldaten, sondern auch für die Allgemeinheit entwickelt zu haben. „Die Leibeserziehung ist die Aufgabe von Schulen,“ meint Hebert und möchte sich der schulischen Körpererziehung widmen. Er predigt dafür, die Armee von der Schule fernzuhalten.

Von 1920 an bestimmt  jedoch die Schule von Joinville offiziell das landesweite Programm für das Sportunterricht und bildet die Sportlehrer aus. Die Anhänger von Methode Naturelle werden Hebert vorwerfen er habe die Chance verpasst, sowohl den militärischen, als auch den schulischen Sportunterricht direkt zu beeinflussen.
Palestra – Sportschule für Mädchen und Frauen

Das College in Reims wurde im Krieg zerstört und viele seine Trainer kamen an der Front ums Leben. Die Sportlehrerinnen, oder Monitrissen, unterrichteten jedoch während des Krieges weiter in Schulen und Sanatorien Frankreichs.

Die Stadt Deauville an der atlantischen Küste stellte Monitrissen 1918 ein Landstück in der Strandnähe zur Verfügung. Sie gründen darauf Palestra, eine private gymnastische Schule für Mädchen.  Der gleiche Architekt, der das College in Reims entwarf, baut auf dem Gelände ein Trainingsstadion, ein Tanzstadion, Wohnhütten, Gärten, Baskettball- und Tennisplätze und einem 250 m langes Hindernisparcours. Die Leitung  übernimmt  Yvonne Moreau – Schulerin von Demeny, ehemalige Monitrisse von College in Reims und Heberts zukünftige Ehefrau.

Das Schulprogramm von Palestra dauert von sechs bis zwölf Wochen und besteht aus sechs Säulen: körperliches Training nach Methode Naturelle, Handwerk und Gartenarbeit, moralische Erziehung, ästhetische Kultur (Tanz, Musik), intellektuelle Erziehung (Anatomie, Geschichte) und Naturopathie. Die Erziehung nach diesen sechs Säulen wird später auch Hebertism genannt.

Der Unterricht findet unter freiem Himmel statt. Kinder bis 12 Jahre tragen barfuß Sandalen und kurze Hosen, Mädchen – leichte ärmellosen Tuniken. Der Unterricht umfasst auch Atemübungen, Sonnenbäder, Schwimmen im Meer, Rudern, Spielen und Singen.

Hebert widmet sich der Ausbildung von Monitrissen.  Palestra wird zur einzigen Schule in Frankreich, die junge Frauen zu Gymnastiklehrerinnen ausgebildet. 1923 eröffnet Hebert zusammen mit seiner Frau eine Winter-Palestra am Mittelmeer in La Londe-les-Maures.

1929 gründet das Eherpaar auf einem Dreimaster Alcyon im Hafen von Deauville die erste Frauensegelschule der Welt. Der Segelschiff kann bis zu 20 Schülerinnen am Bord aufnehmen und befährt den Ärmelkanal, dien Atlantik und das Mittelmeer.

 

Zeiten der schriftlichen Werke

Das Herausgeben von der Zeitschrift L’Éducation Physique wurde durch den Krieg unterbrochen.  Im Jahr 1922 wird sie wiedergeboren unter der Leitung von Hebert. Die Zeitschrift dient Verbreitung von Méthode Naturelle und bezeugt ihre Geschichte. Methode Naturelle wird zu einem Gemeinschaftswerk. Über 100 Autoren veröffentlichen ihre Beiträge, darunter Erzieher, Schulsportlehrer, Ärtze, Sportler, Journalisten, Forscher, Ethnologen und Künstler.  Hebert leitet die Zeitschrift bis zu seinem Tod und schreibt für jede Ausgabe das Vorwort oder einen Artikel.

Hébert begnügt sich nicht mit der Festlegung von Prinzipien, er schreibt eine echte Abhandlung, Beschreiben Sie jedes Element, jede Art von Übung im Detail, indem Sie es mit ästhetischen Überlegungen sowie moralischen, hygienischen und hygienischen Gesichtspunkten in Einklang bringen. Es sind nicht weniger als fünf starke Bände, die die Darstellung der Methode darstellen, zu der es ratsam ist, ein Dutzend Werke zu diesem Thema hinzuzufügen.

1919 erscheint das Buch von Hebert, an dem seine Gattin mitgewirkte,  „L’Éducation physique féminine. Muscle et Beauté plastique,“ oder „Weibliche Leibeserziehung. Muskeln und plastische Schönheit“. Seine Ideale sind inspiriert von der Antike und Naturvölkern. Das Buch ist für seine Zeit, wo die Frauen noch Korsetts turgen, revolutionär.

Ab 1926 widmet sich Hébert vorwiegend seinen schriftstellerischen Tätigkeiten und überlässt die praktische Arbeit mehr oder weniger seinen Schülern und Anhängern. In seinem Buch „Le Sport contre L’Education Physique“ (Sport gegen Leibeserziehung), 1925, beginnt Hébert den Kampf gegen übertrieben sportlichen Wettberwerb und Spezialisierung. Er richtet sich auch gegen die Tendenz die Idee des Sportes durch Schau, Geld und Doping zu entehren, welche in ihrem Übermass eher moralische als körperliche Schäden hervorrufen. after the Olympic Games in Paris in 1924

Daraufhin arbeitete er an seinem fünfbändigen Lebenswerk „L’éducation physique virile et morale par la méthode naturelle.“ Das erste Band erscheint 1936 und beschreibt grundsätzliche Ideen, allgemeine Richtlinien, und Arbeitsprinzipien. Die folgenden vier Bände  wirmet Hébert ausführlich der Technik der natürlichen Bewegung und allen zehn Bewegungsfamilien. Er schreibt die technische Ausführung von über Tausenden Übungen.

Erst also nach fast einem viertel Jahrzehnt praktischer Erfahrung und Beobachtungen fasst Hébert seine Methode ausführlich zusammen. Dies wird der Grund sein, warum sie so gründlich gedacht, mit solcher Klarheit aufgebaut und warum ihre Anwendung so praktisch und einfach ist.

Vom Jahr 1922 bis zu seinem Tod leitet Hébert die Zeitschrift „L’Éducation Physique“ (Die Leibeserziehung“), und schreibt fast zu jeder Nummer ein Vorwort oder einen Artikel. Die Zeitschrift dient der Verbreitung der Méthode Naturelle und bezeugt ihre Geschichte.

1937 wird dem Hébert von der Vereinigung der Sportschriftsteller der Jahrespreis zuerkannt.

Weitere Entwicklung

Die Rolle, die der MN bei der Rehabilitation und Rückkehr zum normalen Leben spiel, ist weniger bekannt. So wurde MN in Einrichtungen für Blinde und Taubstumme in Bourg-la-Reine, in einem Anti-Polio-Zentrum in Rennes, in Zentren für die Rehabilitation von Kriegsverletzten und Behinderten in Chateua des Roches bei Oissel angewandt.

Hebert verkörpert die Avantgarde im Sportunterricht.

„Es war die Ära der statischen Übungen – er erfand kontinuierliche Bewegung. Es war die Zeit der Indoor-Gymnastik – er entdeckte die Luft. Es war die Ära der Turner in langen Hosen und Flanellhemden – seine Männer arbeiteten oberkörperfrei. Als Erster führt er Freunde, Lieder und Schreie in die Trainingseinheit ein. Als Erster führt er systematische medizinische Kontrolle ein. Als Erster erstellt einen Test mit einer Bewertungsskala. “

Die Jugend interessiert sich mehr für Shows, Spiele und Wettkämpfe. In seinem Buch „Sport versus Leibeserziehung“ entscheidet sich Hebert sowohl gegen diese Mentalität, als auch gegen missverstandenen und überkommerzialisierten Sport zu kämpfen. „Sport ist spezialisiert, schwächt und führt zu nichts Nützlichem außer Spektakel und Professionalität.» Sein Buch wird missverstanden und stoßt auf Ablehnung.

Methode Naturelle wird auch in besonderem Masse in Krankenhäusern angewandt. „Man unterrichtete ganze Scharen von schwachen, unheilbar kranken und tuberkulosverdächtigen Kindern. Die Resultate brachten die Meinung und Kritiken derjenigen zum Schweigen, die die neue Lehre als rein militärische und athletische bezeichnet haben“.

Mit einer moralischen Idee sammeln wir die Anhänger, und nicht durch das Spektakel. Georges Hebert.

Mit der Notwendigkeit des Sportimperialismus

In Frankreich wird Hebert jedoch nach wie vor von der offiziellen Welt abgelehnt und verfolgt daher seine Aufgabe mit privaten Werken

Methode Naturelle fand auch im Theater Anwendung. Als Jacques Copeau seine  Theaterschule in Paris 1920 eröffnete, bestellte er für Schauspieler systematisches Training in Methode Naturelle, um ihre Körperbalance, Geschicklichkeit, Widerstand und Atem zu verbessern. Leon Chancerel in seinen Jugendtheatern in den 30ern benutzte MN, um Kinder auf unterhaltsame Weise körperlich zu Erziehung und ihre Phantasie anzuregen.

Die MN in den späteren Jahren ist kein persönliches Werk von Heberts, sondern das Ergebnis der Arbeit einer Gruppe von Menschen, die sich einer Sache verschrieben haben,

Die Schule von Loirent wandte die Methode Naturelle von der Einführung in 1904 bis zum Zweiten Weltkrieg unverändert an.

Die Ideen Heberts werden außerhalb des schulischen Umfelds, in sehr unterschiedlichen politischen und religiösen Organisationen begrüßt, die Altruismus, Kooperation und Leibeserziehung der Massen befürworten: Pfadfinder, Sowjet Union, Tschechoslowakei.

Methode Naturelle beeinflusste Militärausbildung und Schulunterricht in Frankreich bis in die 1960er Jahre, als in die westlichen Länder ihren Fokus von allgemeinen Körpererziehung auf olympische Sportarten legten.

Der Einsatz Frankreich in Afghanistan 2001. Das neue Handbuchs für körperliches Training in Militär und Sport (EPMS), verfasst vom Generalstab der Streitkräfte und dem Nationalen Verteidigungssportzentrum im Jahr 2011 bestätigt das offizielle Comeback der Methode Naturelle.

1913 übernimmt Pariser Feuerwehr MN als ihre Trainingsmethode. Der Kommandeur der Pariser Feuer, Commander Stefani, wurde ein enger Mitarbeiter von Hébert seit 1933.

1933 gründen erfahrene Sportlehrer und Anhänger von Méthode Naturelle eine Organisation ‚Groupement Hébertiste‘, um die Lehre systematisch zu verbreiten und Erfahrungen auszutauschen. Hébert beteiligt sich nicht an der Gründung und steht der Gruppe nur als technischer Berater zur Seite. Auch 1942, als Fédération Française d’Éducation Physique (FFEP) gegründet wird, leht Hébert das Angebot ihr Vorsitzender zu werden, ab. Er betont seine Einstellung,  MN lebend durch freie Gruppen, unabhängig von einander und jeder Organisation sehen zu wollen, da diese eine Gefahr der Institutionalisierung, Totalisierung und Politisierung in sich bergen.

Die „Hébert“ -Methode spricht viele junge Menschen an, die von den langwierigen Sportunterrichtssystemen in den Schulen abgeschreckt sind. Es ist nicht nur offiziell, es ist auch sehr beliebt. Im Larousse Ménager Illustré vademecum der Hausfrau, Ausgabe 1936, nimmt es beim Eintrag „Gymnastik“ mehr als eine ganze Seite ein und ist die einzige PE-Technik, die im Detail gezeigt wird. (5) Man kann dort eine kurze Beschreibung lesen, die jedoch nicht ohne Interesse der Paläste ist: “ In seinen Palästinensern erhalten die jungen Mädchen, die unter freiem Himmel leben und in Zelten schlafen, zusätzlich zum Sportunterricht eine Ergänzung von allgemeine und künstlerische Ausbildung zur gleichen Zeit, zu der sie praktisch in jeder Hausarbeit initiiert werden. “ 

Während Méthode Naturelle in vielen Ländern schon praktisch angewendet wird, musste Hébert in seinem eigenen Land immer weider gegen Widerstände kämpfen. Er setzte sich für die flächendeckende Einführung von Méthode Naturelle und führte oft erbitterte Kämpfe, vor allem gegen den Statt. In den Zeiten vor dem Zweiten Weltkrieg warnt er, dass solange Frankreich Schauspiele veranstaltet und sich mit Leistungssport beschäftigt, schmeidet Deutschland unablässlig Menschen, die dem Vaterland dienen sollen. Die natürliche Leibeserziehung war im nationalsozialistischen Deutschland in Mode.  Ab jetzt kehrt er in seiner Zeitschrift und Werken immer wieder zu seiner ursprünglichen Idee der Soldatenausbildung zurück.

Nach dem Beginn des zweiten Weltkrieges lehnt Hébert, der sich immer vom politischen Geschehen distanziert hat, das Angebot von Vichy Regime ab,  mit ihr bei der Einführung von MN zu arbeiten. Die MN wird aber dennoch eingeführt und zur nationalen Methode gemacht

Als die Vichy-Regierung organisiert wurde, war Hebert mit der Politik verbunden, insbesondere mit Lafitte, dem damaligen Generalinspektor für allgemeine Bildung und Sport in den 1940er Jahren, aber Hebert wurde bei der Annahme des MN nicht konsultiert.

Als das Borotra-Komissariat (1940-1942) die MN in die nationale Doktrin einbezog, ohne Hebert zu konsultieren.

Bis 1941 haben viele Bereiche der Leibeserziehung in Frankreich – Schulen, Armeen, Jugendlager, Scouts etc.  – MN  direkt oder indirekt übernommen (bis 1951 bleibt gültig, to do). Die Französische Hochschule für Leibeserziehung führt MN als neues Unterrichtsfach.

1943 im Wochenblatt der französischen Arbeiter in Deutschland, heisst es unter dem Titel „La Doctrine nationale“: In der frischen Luft leben, in der freien Natur gehen, laufen, klettern, schwimmen…

Seine Gegner gönnten ihm den Ruhm nicht und versuchten, seine Leistung zu schmälern. Oder sie übernahmen seine Ideen und veröffentlichen sie als eigene Gedanken (beides ist auch heutzutage, hundert Jahre später, oft der Fall). Oder sie legten seine Lehre falsch aus, so dass ihre Natürlichkeit und Ursprünglichkeit verloren gingen. Besonders während des Zweiten Weltkrieges, als die Ausbildung von Sportlehrern zu schnell erfolgte, wurde MN nicht wahrheitsgetreu wiedergegeben und bekam einen militärischen Anstrich und wurde als Drill gelehrt.  Die Prinzipien wurden nicht richitg verstanden oder als lächerlich gemacht, und 1945 ließ man MN als offizielle Lehre wieder fallen.

Dennoch blieb MN im Schulunterricht von entscheidener Bedeutung. Vor allem die Unterrischtssform „Plein Air“ – Nachmittage unter dem freien Himmel, mit Geländerspielen in der Natur und anderen Formen von freien sportlichen Betätigung – fand ihren unverfälschten Unsprung in MN.

1955 wurde in Paris der 80. Geburtstag Héberts und das 50-jährige Bestehen seiner Methode gefeiert. Unter der Schirmherrschaft des Präsidenten Frankreichs. Zahlreiche Persönlichkeiten ehrten den Begründer von Méthode Naturelle, während seine Anhänger Vorführungen organisierten. Darunter sind: die staatliche Eisenbahngesellschaft Frankreichs SNCF, Pariser Feuerwehr, Pfadfinder Frankreich, Nationale Hochschule für Leibeserziehung für Mädchen. Hebert ging nicht zum 50. Jahrestag der MN.  Für seine Leistungen wurde Georges Hérbet  mit einem Verdienstorden von Kommandeur der Ehrenlegion ausgezeichnet.

Mit 1953 erkrankte Hébert und stirbt 1957 im Alter von 82 an Lähmung, hat aber während der Krankheit viele Menschen beeindruckt mit seinem Willen noch mal Gehen, Sprechen und Schreiben zu lernen. So hat er sein Buch „La défense“ 1955 veröffentlicht und begann kurz vor seinem Tod sein letztes Buch über das Schwimmen zu schreiben.

Vorfahren von MN und Neuerungen von Hébert

Obwohl die Meinung, dass Hébert ausschließlich von Ureinwohnern seine Inspiration geholt hat, sehr verbreitet ist, hat er sich bei der Entwicklung der Méthode Naturelle auch auf viele bereits bekannte Disziplinen gestützt. Dazu gehören antike griechische Gymnastik integriert und auch die Lehre von anderen Forschern miteinbezogen, wie zum Beispiel diese von Amoros und Demeny, die Körperausbildung als Ganzheitserziehung betrachteten. 1

(Gegen das Ende vom 19. Jahrhundert erhoben sich Physiologen gegen das klassische Turnen, die die Freiluftübungen befürworteten. Demeny war ein Befürworter von Freiluftübungen. )

Er steht am Ende einer langen Kette von Philosophen, Medizinern, Praktikern. Hébert bezieht sich bewusst auf seiner Vorgänger, und ist stolz auf dem Erbe und Gedankengut aufzubauen, dass seine Ideen bestätigt.

Als einer der ersten, der die Nachteile der Zivilisation erkannt, die Menschen seiner Zeit mit denen die in der Natur leben, vergleicht, und  Forderungen nach einer Ganzheitserziehung gestellt hat, war bereits der französische Philosoph Jean-Jacques Rousseau, der in seinem berühmten Roman ‚Emile‘ (1762) fordert, dass die Erziehung der Kinder auf den Regeln der Natur basiert. „Härtet ihre Körper gegen die Rauheit der Jahreszeiten, der Klimate, der Elemente, gegen Hunger, Durst und Strapazen ab… Emil muss imstande sein, weit und hoch zu springen, auf einen Baum zu klettern, über eine Mauer zu steigen, und dabei stets das Gleichgewicht zu bewahren… Anstatt ihn mit Luftsürungen zu beschäftigen, würde ich meinen Zögling an den Fuss eines Felsens führen.“

Praktisch umgesetzt wurden Ideen von Rousseau vor allem durch den deutschen Schulpädagogen GutsMuths, der ab dem Jahr 1786 sein Gymnastikunterricht methodisch und natürlich gestaltete. „Wettlaufen, Voltigieren, Springen über einen Graben, Springen über eine Gerte, die nach belieben erhöht werden kann, forcierte Märsche, Werfen nach dem Ziele, […] Gehen auf dem scharfen Ende eines Brettes, […] Aufheben eines Gewichts mit einem Stabe, […] Schlittschuhlaufen, Schlittenfahren.“ GutsMuts Werke inspirierten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderst sowohl ‚Tunrvater‘ Jahn in Deutschland, der sein Turnen frei und natürlich gestaltete, als auch Pehr Henrik Ling, den Begründer der Schwedischen Heilgymnastik.  Bedeutendene Rolle spielte auch der schweizer Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi mit seinem Werk Elementargymnastik (1807), der den Amoros inspirierte, und dessen Übungen Ling fast wörtlich abschrieb.

Mit der Zeit beginnt allmählich die Verengerung und Verkünstelung der Leibeserziehung und des Turners, und fand ihren Klassiker in Adolf Spiess. Die natürlichen Bewegungen wurden im deutschen Raum durch stilisierten ersetzt, die freie Lehrweise durch Drilllehrweise, die Freiluftübungen zugunsten der Hallenübungen vernachlässigt, das schwedische Turnen auf ‚körperformende‘  und militärisch wichtige Übungen beschränkt. In dieser Form fand das Turnen weltweite Verbreitung, nicht jedoch weltweite Akzeptanz, sodass man die anderen natürlichen Wege versuchte. Diese äußerten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert in England als eine Sportbewegung im Freien – Spiele, Leichtathletik, Rudern, wennoch auch mit Wettkampf und Leistung verbunden, in Deutschland als Bergsteigern, Bade- und Jugendbewegungen.  Auch unter den Turnen fanden sich Vokämpfer der Rückkehr zu der Vielseitigkeit von GutsMuts und Jahn.

In Frankreich machte die Leibeserziehung ähnliche Entwicklung wie in Deutschland. Der Begründer der Französischen Schule der Leibeserziehung war Francisco Amoros (1770-1848), ein spanischer Soldat und Pädagoge. Seine Methode war ähnlich umfassend und natürlich wie diese von GutsMuts. Sie war auch außerordentlich nützlich und praktisch, mit dem Ziel, starke Menschen zu schaffen im höchsten Sinne des Wortes. Sie bezog sich vor allem auf Erwachsenen und Soldaten.  Amoros eröffnete in Paris zwei Gymnastikhallen, ein militärisches und ziviles  Gymnasiums und das spezielle Feuerwehrgymnasiums, wo er über 20 Jahre hunderte von militärischen Instrukteure der französischen Armee ausbildete und Feuerwehrmänner unterrichtete, aber auch private Leute trainierte.  1830 veröffentlicht Amoros das „Handbuch für Leibeserziehung, Gymnastik und Moral“ („Manuel d’éducation physique, gymnastique et morale„). Er beschreibt fünfzehn Übungsfamilien und führt den Begriff der Handlungsqualität ein: Mut, Schnelligkeit, Geschicklichkeit, Ausdauer, aber auch moralische Eigenschaften: Weisheit, Mäßigkeit, Freundlichkeit. Seine Lehre blieb im Wesentlichen die Grundlage der körperlichen Ausbildung der französischen Armee bis zum Ersten Weltkrieg und hat die im 1852 eröffnete Militärgymnastikschule von Joinville beeinflusst. Die Übungen von Amoros werden später den Hauptteil der Klassifikationen der natürlichen Methode von Georges Hébert bilden. Jedoch konzertierte der Amoros sich auf die Spitzenleistung, die Schwachen wurde den Starken geopfert.

 

Auch Amoros Lehre musste wie die von GutsMuts und Jan einen Rückschlag erleben, da auch in die Französische Schule das mit der Zeit verrzerrte und stilisierte Bild vom deutschen und schwedischen Turnen eindrangen.  Aber auch in Frankreicht erhoben sich dagegen gegen das Ende des 19. Jahrhunderts vornehmlich die Physiologen die die Freiluftübungen befürworteten und wieder die natürlichkeit verlangten. Ihre Richtung setzten Demeny und Hébert fort.

From the technical side, most of the gymnastic methods of this period were variations of the old Prussian drill. The movements were broken down  into
simpler static segments that were stationary practiced and repeated in isolation. The methods were highly technical, analytical or scientifical. Strong focus on the form of exercise was common.

Georges Demenÿ, early pioneer of cinematography and biomechanics

Georges Demeny (1850-1917), ein französischer Wissenschaftler und Mediziner, führte jahrelang physiologische Forschungen über Fortbewegung der Menschen. Er leitete das physiologie-Labors der Militärschule von Joinville.  Demeny gilt als Begründer des wissenschaftlichen Sportunterrichts. Sein Buch „Die wissenschaftliche Grundlage des Sportunterrichts“ ( 1902) Zusammen mit Marey erfand er ein fotografisches Gerät mit dem sie eine Bewegung in allen Einzelvorgängen festhalten könnten. Auch führte er anatomischen Untersuchungen des Bewegungsapparates und physiologischen Studien der organischen Funktionen, insbesondere der Lunge. Mit seinen Werken unter anderem über die Mechanik der Bewegungen bereichert er die Theorie der Leibeserziehung und wendet seine Methode auch sehr früh in der Frauengymnastik. Demeny führt die Idee der Dosierung, der allmählichen Entwicklung, der Abstufung und des Maßes, was bei seinem Vorgänger Amoros noch fehlte. Demenys Methode besteht noch vorwiegend aus analytischen Bewegungen, die synthetischen Bewegungen werden von Hébert eingeführt. Als Mediziner befasst sich Démeny als einer der ersten mit den Ideen und Vorschriften für Körperausbildung von schwachen Menschen. 1914 richtete Démeny im Collège de Reims ein bedeutendes physiologisches Laboratorium ein, wo er unter Mitarbeit von Hébert seine Forschungsarbeiten fortsetzte. Démeny hat mehrere Schriften, unter anderem „Die wissenschaftliche Grundlage des Sportunterrichts“ ( 1902)“The Scientific Basis of Physical Education“, „Lehrerhandbuch für den Sportunterricht an öffentlichen und privaten Schulen“ (1900) (Teacher’s guide for teaching physical exercise in public and private schools) oder „Wissenschaft und Kunst der Bewegung. Leibeserziehung des Mädchens. Erziehung und Harmonie der Bewegungen“ (1911) (Science and art of movement. Physical education of the girl. Education and harmony of movements). Dank seiner wissenschaflichen Vorgehensweise waren seine Arbeit zum Beispiel in Sowjet Russland sehr beliebt und wurden mehrmals aufgelegt.

Hébert übernimmt von Amoros einen Gerät zum Höhentraining – ein 20 cm breiter Balken in 4 m Höhe, mit weichem Sandstreifen drunter. Dies erwies sich laut Amoros als sehr praktisch und effizient, auf was Hébert in seinem Band über Balance hinweist.

The essence of Hébert’s reform consisted of replacing the gymnastic methods in vogue with a method based on the execution of ten types of body techniques, called natural or utilitarian activities. These body techniques are those for which the human body is built: walking, running, jumping, climbing, lifting, throwing, swimming, selfdefence,
quadrupedal movement and balancing. These were first presented in 1532 by François Rabelais (1483 or 1494–1553). Hébert adopted Rabelais’ method of body techniques without adding or removing anything (Hébert 1909). The Hebertist performed these exercises in a state of near-nudity as far as that was tolerated by the moral
police at the time.

Die Bewegungsfamilien in Methode Naturelle – Klettern, Springen, Laufen, Springen etc.,  sind nichts neues. Im Laufe der Menschheitsgeschichte wurden all diese im körperlichen Training bereits erfunden und erprobt. Der Verdienst von Georges Hebert liegt in der Erfindung einer effizienten Trainingsmethode, also der Art diese Disziplinen  anzuwenden und zu kombinieren um schnell und effizient körperliche Perfektion zu erreichen. Er hat erfunden, wie er selbst behauptet, „eine bessere Art zu trainieren“.

Vor dem ersten Weltkrieg, zu den Zeiten wo man nur statisch arbeitete, in langen Hosen und Flanellhemden, mit umgeschnallten Gürtel, führte Hébert die kontinuierliche Bewegung ein, barfuß und mit freiem Oberkörper. Als erste führte er Freude, Gesänge und Schreien in die Trainingstunden ein. Genauso richtete er eine systematische Kontrolle ein, mit tabelliarischen Erfassung der Leistungen.

Die Gedanken Héberts trafen auch auf die Tendenzen seiner Zeit.  So hatte der Deutsche Turnerbund  1889 die Verengung des Spiessischen Turnes abgesagt und wieder Geländespiele, das Schwimmen, das Wandern, den Schneelauf, den Fünfkampf aufnommen. Die österreichische Schule wandrte sich 1910 auch vom starren Turnen ab, und führte Freiluftübungen ein.

Auch viele naturistischen Initiativen  seiner Zeit, sowohl die europäischen als auch die amerikanischen,  haben Hebert inspiriert: Naturheilkunde, gesunde Ernährung und Fasten, Hydro- und Heliotherapie, die Lehren von Bernarr Macfadden und Paul Carton .

Georges Hébert introduced practicing ‘nude’ in the first place for a practical reason: it allowed him to easily see how a movement was performed and to correct it. It also reflects the influence of Bernarr Macfadden’s hygiene theories (1868–1955). Hébert translated several of his articles on heliotherapy, aerotherapy, hydrotherapy and vegetarianism to improve physical resistance and endurance (Philippe-Meden 2016a). Hébert also had a
connection to the naturist physician Paul Carton (1875–1947) that gave him medical endorsement for the use of the NM to work with children (Carton 1935). The third reason for near-nude practice was that a suntan enhanced physical beauty.

Der Begriff ’natürlich‘ sollte den Gegensatz zum Turnen mit seinen militärischen Exerzierübungen, den gekünstelten und stilisierten Bewegungen ausdrucken.

Amoros praktizierte keine Übungen der Quadrupedie, er meinte sie widersprachen seiner Lehre.

In seine, Buch „Le code de la force“ veröffentlich Hébert den Weg eine Tabelle mit Leistungswerten, die nach Alter und Geschlecht geordnet sind, als Weg für die Messung des Trainingsfortschritts. Dies war jedoch eine Idee von Demeny, die er nach Rückmeldungen von Tausenden von Menschen in Lorient entwickeln konnte.

Entwicklung Weltweit

Der Test von Hebert wurde zu einem der ersten ganzheitlichen sportlichen Tests und diente als Grundlage für das Russiche GTO-Test und andere sportlichen Tests weltweit. Dessen Bewertungssystem wurde auch von der Gymnastik- und Fechtschule von Joinville verwendet, die Regimentsgymnasten ausbildete und olympische Athleten zu trainierte.

Zwischen den beiden Weltkriegen breitete sich MN in der Tschechoslowakei (1913), Argentinien und Brasilien (1913), Sowjetunion (1925), Kuba (1927), Polen (1928), Bolivien (1930), Vietnam (1934), Libanon (1945), Jordanien (1956).

Dänemark. 1920 besuchte Direktor für Leibesübungen der dänischen Marine Kapitänleutnant Briand de Crèvecoeur die Schule von Lorient für ein zweiwöchigen Trainingskurs. Einige Monate später wurde ein Ausbilder aus Lorient nach Dänemark eingeladen, um die Ausbilder der dänischen Marine in MN zu unterrichten. Anschließend wurd MN  unter dem Namen Französische Methode offiziell von der dänischen Marine eingeführt und ersetzte schwedische Gymnastik.

Tschechien. Nach dem ersten Weltkrieg führt Turnbewegung Sokol Elemente von MN ein.  die nd die durch die schrittweise Übernahme des MN durch den Sokol nach dem Krieg bestätigt wurde.

Kuba. 1928 führt Kuba offiziell MN in Schulen, der Armee und der Marine der Republik Kuba angewandt. Zuvor verbrachte Desiderio Ferreira, der Leiter des kubanischen nationalen Instituts für Körpererziehung, knapp ein halbes Jahr bei Hebert.

Bolivien. 1929-30 Saturno Rodrigo, Generalinspektor für Leibeserziehung in Bolivien, lehrte MN von Hebert. Nachher wird MN in Bolivien  an der Hochschule für Leibeserziehung, in der 5. Klasse in Schulen und in allen Freiluftschulen angewandt.

Es gibt keine Dokumente, die die Übernahme von MN durch Nazis belegen wurden. Hebertism entwickelte sich in Deutschland durch die Gruppe Names Cercle Hebert d’Allemagne (CHA), der 1941 vom Belgier Marcel Beugnier im Kriegsgefangenenlager Oflag bei Prenzau gegründet wurde.

Héberts Lehre beeinflüsst die Systemen der Leibeserziehung weltweit : Spanien, Portugal, Argentinien, Tschechoslowakei.

Der Einzug von MN in Belgien fand im Vergleich zu anderen europäischen Ländern relativ spät statt, jedoch erfolgte progressiver als anderswo. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Hébertism nach und nach auch in Belgien popularisiert, und hat angefangen sich durch bis dahin etablierte schwedische Gymnastik durchzusetzten. Zuerst eingeführt in der Provinz Hennegau  an Schulen und Universitäten unter Anleitung von G. Dejean, breitet sich MN aus, auf Schulen, in der Militär, in der Arbeits- und Pfadfinder Bewegung. 1930 wird das erste Zentrum in Charleroi eröffnet und drei Jahre später funktionieren in Belgien bereits über 20 kostenfreie Zentren.

Belgien.

Dejean, Leiter des belgischen Pfadfinderlagers, entdeckt beim 3. Jamboree 1929 die MN und den Hebertismus.

Brasilien. 1930 wird die Leibeserziehung nach Hebert bei tuberkulosekranken Kindern in einem Preventorium auf der Insel Paqueta bei Rio de Janeiro angewandt.

Schweden. Major Joseph G. Thulin, der später zum Präsidenten der Fédération internationale d’éducation physique gewählt wird, führt 1937 MN unter dem Namen naturistische Innovationen in seinem privaten Institut für Sportunterricht für Frauen.

Libanon. 1945 Hebert empfängt den Reverend von Collège Notre-Dame de Jamhour der Universität Beirut Père Charles zu einem Gespräch über die soziale Rolle des Sportunterrichts. Bis 1953 perfektionierte Père Charles die Anwendung des MN am Collège.

В Бейруте Хеберт принимает преподобного для беседы о социальной роли физического воспитания. До 1953 года он совершенствовал применение ЗН в колледже Нотр-Дам де Джамхур, входящем в состав Бейрутского университета.

Jordanien. 1956 bis 1957 bildete Shu’fat-Zentrum nördlich von Jerusalem Sportlehrer nach Methode Naturelle aus. Diese Lehrer unterrichteten anschließend an über 300 von UNESCO und UNRWA für 300 000 Flüchtlingskinder aus Palästina in Jordanien, Syrien, Libanon und Nord-Gaza gebauten Schulen.

Deutschland.

Die Gaulhofer-Streicher-Methode ähnelt zu drei Vierteln der ND-Methode und zu einem Viertel der neoschwedischen Thulin-Methode.

Vietnam. 1934 Ausbildung von Feuerwehr Männern und 700 Polizisten in Saigon. Bildungseinrichtungen und Scouts.

1937 wird Hebertism in dem französischsprachigen Katholischen Pfadfinderverband eingeführt.
Méthode Naturelle lebt auch während des zweiten Weltkrieges weiter hat sich weiter verbreitet während des zweiten Weltkrieges in einem Gefangenenlager für Offiziere in Deutschland, wo zwei ihre Anhänger, Camille Tasse und Marcel Beugnier, die Methode in die Belgische Armee etabliert haben.

Nach dem Krieg gründet Marcel Beugnier die bis heute existente FBEPMN –  Fédération Belge d’Éducation Physique par la Méthode Naturelle, die 1953 offiziell vom Ministerium für Gesundheit anerkannt wird. Camille Tasse wird zum Direktor des Instituts der Militär für Leibeserziehung. MN hält festen Einzug in die belgische Militärausbildung. Woraufhin die rechte Hand von Georges Hébert, Kommandant Stefani,  schreibt: „Wann werden wir in Frankreich die gleiche ernsthafte Arbeit wie in der belgischen Armee sehen?

1951 wird Georges Hébert nach Belgien eingeladen, wo er sich persönlich von der Arbeit des Kommissars für Gesundheit und Körpererziehung der Pfandfinder von Belgien, des  Instituts der Militär für Leibeserziehung (verantwortlich für die Ausbildung von Offizieren) und des Elite-Kommandoregiments überzeugen kann und das richtige Verständnis der Methode befürwortet.

Während seines Arbeitsaufenthalts in der Lombardei, bietet Jean Hendrick, Kommissar der Belgischen Seepfadfindern, MN Trainings für die lokalen Scouts. 1952 findet der erste Hébert Camp auf dem Comer See statt. So statet MN seinen Einzug in die Italienische Pfadfinderbewegung. In Mailand, Vicenza, Turin und Rom werden MN Zentren eröffnet. Seit 1970 veranstaltete AGESCI (die wichtigste Pfadfinder Organisation Italiens) jeden Sommer einen Héberstism camp für Jungs und Mädchen aus ganz Italien.  every summer, the “sett

In den 60ern und 70ern Jahren gerät MN in Vergessenheit.

„Internationale Bewährung bei den Wettkämpfen“. Hébert hat solche entwicklung in seinem Buch Sport contre Education Physique behandelt  „dass in der Leistung einiger Ausnahmsmenschen die körperliche Leistugnsfähigkeit eines ganzen Volkes dargestellt wird“ „Statt Menschen zu erziehen, haben wir bisher Sportkanonen ausgebildet, statt ein Erziehungswerk zu leisten, haben wir Schauspiele veranstaltet!“ Jeder Zuschauer muss vom Übungsplatz entfernt werden

„Vielleicht war der Zeitpunkt, in dem die neue Lehre verkündigt wurde, noch verfrüht. Zwar entfernten sich die Menschen immer mehr von ihren natürlichen Lebensbedingungen, doch die Gesundheit und Leistungskraft hatten sich erst wenig verschlechtert. Man sah die unbedingte Notwendigkeit diese Methode noch nicht ein.“ Das neue Interesse in MN liegt ganz im Trend mit dem allgemeinen Bewusstsein der Menschen heutzutage, der sich auch auf Natur- und Tierschutz, Konsumreduzierung, erneubare Energien, Downshifting richtet. „Der große Umbruch, den das Werk von Hébert einleitete“

 

In Kanada heißen Klettergärten auch heutzutage „Piste d’hébertism“

Militärtraining auf einer Hindernisbahn in Camp Edwards, USA, 1942. Photo: Wikipedia

In den USA wird die Hindernisbahn während des Ersten Weltkrieges zum Training von Soldaten eingeführt und nach dem Krieg wurde der Hindernislauf als Sporttest verwendet .  Großes Interesse und Verbreitung bei Militär, Universitäten, Schulen und Boyscouts fand Hindernisbahn während des Zweiten Weltkrieges. Nach dem Krieg flachte das Interesse der zivilen Bevölkerung an Hindernisläufen schnell ab, hat aber nach Jahrtausendwende wieder ein großes Comeback gefiert.

Obstacle courses were used for general training in the time between the wars,

 

Moderne Zeiten

(2004 wurde der Name der Föderation abgekürzt zu Fédération Belge d’Hébertisme. Heute tritt die Föderation unter dem Namen Sport’nat® auf.)

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fand die Méthode Naturelle durch verschiedene Variationen von Trimm-Dich-Pfaden und Hérbertisme Parks Verbreitung. Zu Jahrtausendwende war die Disziplin abgesehen von ein paar Föderationen und Vereine in Frankreich und Belgien fast in Vergessenheit geraten. Jedoch dank neuem Trend zum Outdoor Fitness wurde sie wieder bekannt.

Nicht zuletzt wurde durch die von David Belle und anderen entwickelte Kunst der Fortbewegung – Parkour – Méthode Naturelle in der modernen Zeit bekannt. Denn fast alles was in Parkour zu finden ist wurde von Méthode Naturelle direkt oder modifiziert übernommen.

In der modernden Zeit ist Methode Naturelle allgegenwärtig, selbst wenn man nicht direkt auf sie verweist. Abenteuerspielplätze und Hochseilgärten. Trimm-Dich-Pfade.

 

Der Französische Militäreinsatz in Afghanistan (2001) offenbarte Mängel bei der Ausbildung von Soldaten für schwierigeres Terrain. Seitdem wendet sich die Französische Militär wieder aktiv die MN in der Ausbildung der Armee an.

Ziemlich umfassend haben auch die zahlreiche Hindernisläufe die Ideen von Hebert aufgegriffen. Die Konkurrenz mit anderen Athleten und der Showcharakter entsprechen zwar nicht der Philosophie von Hebert. Dennoch wurden wichtige Grundformen  übernommen. So zum Beispiel abwechslungsreiche Hindernisse, die einen Athleten vor verschiedenen Aufgaben und Bewegungsformen stellen: Kriechen, Werfen, Kletter, Springen, etc. Mut und Entschlossenheit, Schmerz- oder Kälteresistenz. Viele von Läufern greifen auch auf den Kameradschaftsgeist zurück und bauen Hindernisse so, das man einander Tragen muss oder nur im Teamwork über eine hohe Mauer klettert.

 

Quellen:

Jean-Jacques Rousseau: Emil oder über die Erziehung. Band I und Band II. Tredition, 2011.

Renson, R. La diffusion de la Méthode naturelle en Belgique (2014). Le Collège d’athlètes de Reims. ÉPURE.

Philippe-Meden, Pierre. Georges Hébert (1875-1957). A naturalist’s invention of body ecology. Body ecology and emersive leisure. Routledge, 2018

Philippe-Meden, Pierre. Le rôle de Georges Hébert pendant la Grande Guerre (1914-1918)

1. “Die Methode von Amoros wäre im Grunde nützlich und bemerkenswert ihrem Ziel angepaßt: Männer herauszubilden, die kräftig, energisch udn fähig sind, sich utner allen Umständen zu bewähren, vor allem auch im Krieg. Amoros wendet sich mehr an die Erwachsenen und an das Militär.
Er ist der wahre Entdecker des Trainings, d. h. der methodischen Arbeit im Hinblick auf das Ziel, im wahrsten Sinne des Wortes starke Wesen zu schaffen. Zum Werk Amoros und dessen oft zu ungestümen und ungenügend bemessenen Anwendung hat Demeny die Idee vom Maßstab beigetragen, von methodischer Entwicklung und Aufbau in der Anstrengung.
Er hat die Übungen den Schwachen nähergebracht, indem er die ästetischen und hygienischen Anwendungsbedingungen der Arbeit klarstellte und die Wirkungen der Übungen auf den Organismus analysierte. Er hat die Suche nach den Charakteristiken der natürlichen Bewegung aufgenommen… Wir haben das Bewusstsein, das Werk dieser beiden Erzieher weiterzuführen und dem Weg zu folgen, den sie gebahnt haben. Die großen Leitgedanken sind dieselben, ein gemeinsames Band verbindet sie“.
Hébert, Georges: L’Éducation physique virile et morale par la méthode naturelle, Band I, 6. Auflage, Paris 1936, S. XIX (Eigene Übersetzung)

2. So zum Beispiel der Deutsche Fritz Eckardt in seinem Werk „Der Turnunterricht entwickelt aus den natürlichen Bewegungsformen: ein Ratgeber für das Turnen in Schule und Verein zugleich ein methodisches Hilfsbuch für die Turnlehre an Seminaren usw.“, Huhle 1908

3. 1929, la goélette à trois mâts Alcyon devient la première école de voile féminine“, https://www.histoiremaritimebretagnenord.fr/gens-de-mer/gens-de-mer-7/

4. The History of Obstacle Courses for Military Fitness, Sport, and All-Around Toughness

The History of Obstacle Courses for Military Fitness, Sport, and All-Around Toughness